Sovereign Certificate Authority ist eine interne Certificate
Authority, die das Let’s-Encrypt-Erlebnis 1:1 ins eigene Netz holt:
ACME-Protokoll, automatisches Cert-Enrollment, automatische
Erneuerung — für alle internen Dienste, Subdomains und Mitarbeiter-
Geräte. Produktiv im Einsatz.
| Eigenschaft | Wert |
|---|
| Protokoll | ACME (RFC 8555) — identisch zu Let’s Encrypt |
| Clients | Jeder Standard-Client (certbot, acme.sh, lego, dehydrated, …) |
| Geltungsbereich | Interne Domains, .local-Zonen, Service-Mesh, mTLS |
| Erneuerung | Vollautomatisch alle 60–90 Tage |
| Status | Produktiv im Einsatz |
flowchart LR
A[Interner Dienst] -->|ACME-Request| B[Sovereign CA]
B -->|Challenge| C[HTTP-01 / DNS-01]
C -->|erfolgreich| D[Zertifikat 90 Tage ausstellen]
D --> A
A -.->|nach 60 Tagen erneuern| B
Worum es geht
Jedes Unternehmen mit eigenen internen Diensten — vom Wiki über das
Issue-Tracker-System bis zum internen Monitoring-Dashboard — kennt das
Spiel: TLS-Zertifikate. Drei klassische Varianten gibt es, und
keine davon ist gut:
- Selbstsignierte Zertifikate — Jeder Browser warnt, Benutzer
klicken sich an Warnungen vorbei (Sicherheitskultur kaputt), und
irgendwann ist ein Phishing-Klick nicht mehr unterscheidbar.
- Public-CA-Zertifikate für interne Hostnamen — kostenpflichtig
(€150 – €500 pro Zertifikat pro Jahr), und alle internen
Hostnamen erscheinen in den öffentlichen Certificate-Transparency-
Logs — Angreifer können dort ablesen, welche internen Systeme es
gibt.
- Let’s Encrypt — kostenfrei, aber funktioniert nicht für reine
Intranet-Hosts (keine öffentliche Erreichbarkeit für die
HTTP-Validation), und mit 50 Zertifikaten pro Woche pro Domain
harte Rate-Limits.
Die Sovereign Certificate Authority ist die Antwort: derselbe
Komfort wie Let’s Encrypt, aber intern, ohne Public-Log-Exposition
und ohne Limits.
Die Let’s-Encrypt-Erfahrung — intern
Jeder ACME-fähige Client funktioniert direkt mit der internen CA —
keine Code-Änderung, keine speziellen Tools, keine proprietäre API.
- 🤖 Auto-Enrollment — Ein Dienst muss nur den ACME-Endpoint der internen CA kennen, dann zieht er sein Zertifikat selbst.
- 🔁 Auto-Renewal — Standardlaufzeit 90 Tage, automatische Erneuerung nach 60 Tagen. Niemand muss mehr an Ablaufdaten denken.
- 🌐 HTTP-01 + DNS-01 Challenge — Beide Standard-Validierungsmethoden, je nach Use-Case.
- 🃏 Wildcards — Wildcard-Zertifikate für ganze Subdomain-Räume möglich (
*.intern.example.com). - 📜 Standard-Clients —
certbot, acme.sh, lego, dehydrated, Caddy, Traefik, nginx-acme — alle funktionieren ohne Anpassung.
Warum nicht einfach Let’s Encrypt?
| Anforderung | Let’s Encrypt | Public-CA (DigiCert, GlobalSign, …) | Sovereign CA |
|---|
| Funktioniert für reine Intranet-Hosts | ❌ Nein | ✅ Ja | ✅ Ja |
| Kosten pro Zertifikat | 0 € | 150–500 € / Jahr | 0 € |
| Rate-Limits | 50/Woche/Domain | Keine | Keine |
| Hostnamen in Public-CT-Logs | ✅ Ja (Pflicht!) | ✅ Ja (Pflicht!) | ❌ Nein |
| Auto-Renewal via ACME | ✅ Ja | ⚠️ Teilweise | ✅ Ja |
| Custody der Root-CA | Externer Anbieter | Externer Anbieter | Eigene Hand |
| Wildcard-Zertifikate | ✅ (nur DNS-01) | ✅ (Aufpreis) | ✅ |
Der entscheidende Punkt: CT-Log-Exposition. Jedes von einer
Public-CA ausgestellte Zertifikat — auch das von Let’s Encrypt —
landet in einem öffentlichen, durchsuchbaren Log. Wer
crt.sh abfragt, sieht alle deine internen Hostnamen.
Reconnaissance-Tools für Angreifer nutzen genau das.
Eine interne CA stellt Zertifikate aus, ohne dass sie irgendwo
öffentlich erscheinen. Die internen Hostnamen bleiben intern.
Operative Features
- 🌳 Mehrstufige PKI-Hierarchie — Root-CA offline, Intermediate-CA online für die ACME-Ausstellung. Standard-PKI-Praxis.
- 🔄 Automatische Revocation — CRL- und OCSP-Endpoints für Sperrlisten, kompromittierte oder ausgemusterte Zertifikate werden sauber gesperrt.
- 🔐 Hardware-Schlüssel-Optional — Intermediate-Key kann in einem HSM oder TPM gehalten werden — selbst bei kompromittiertem Server kein freier CA-Key.
- 📊 Monitoring & Inventory — Übersicht aller ausgestellten Zertifikate, Ablaufdaten, betroffene Hosts.
- 🎯 Policy Engine — Welcher Client darf welche Zertifikate ausstellen? Account-Bindung, Domain-Allowlists, Maximum-Validity-Limits pro Rolle.
- 🔌 Service-Integration — Tunnel-Zertifikate (VPN, mTLS), Service-Mesh (Envoy/Istio-kompatibel), Mail-Server (SMTP/IMAP TLS), Reverse-Proxies, IoT-Devices.
- ⏰ Lebenszeit-Konfiguration — Kurze Cert-Lifetimes (24h für Pipelines, 90 Tage für Dienste, 1 Jahr für IoT) — feingranular pro Use-Case.
- 🔍 Audit-Log — Jede Ausstellung, Erneuerung und Sperrung wird strukturiert protokolliert.
Typische Use-Cases
- 🏢 Interne Web-Anwendungen — Wiki, Tracker, CRM, Dashboards mit echten TLS-Zertifikaten, die jeder Browser akzeptiert (nach Root-Installation auf Endgeräten).
- 🤝 Service-to-Service mTLS — Microservices/Service-Mesh mit gegenseitiger Authentifizierung statt API-Keys.
- 📱 Geräte-Authentifizierung — Mitarbeiter-Laptops und mobile Endgeräte erhalten Client-Zertifikate für WLAN-, VPN- und Service-Zugang.
- 📧 E-Mail-Infrastruktur — SMTP-Submission, IMAP/POP mit gültigen Zertifikaten ohne Public-CA-Kosten.
- 🛠️ CI/CD-Pipelines — Kurzlebige Zertifikate für Build-Runner, automatisch ausgestellt und nach dem Job verworfen.
- 🌍 Internal-DNS-Domains —
.internal, .lan, eigene Top-Level-Subdomains — Zertifikate, wo Let’s Encrypt prinzipiell nicht ausstellen kann.
Warum das ein CEO-Thema ist
- 💰 Cost-Avoidance — Pro 100 interne Dienste mit Public-CA-Zertifikaten: typischerweise 30 000–50 000 € pro Jahr. Mit interner CA: 0 €.
- 🔍 Reconnaissance-Schutz — Interne Hostnamen sind heute der größte Verrat im Pre-Attack-Reconnaissance — sie verraten Angreifern die Topologie der Organisation. Eine interne CA eliminiert diese Lecks vollständig.
- 🛡️ Souveränität — Volle Kontrolle über die Vertrauenskette. Keine Abhängigkeit von externen CAs, deren Root-Programm sich ändern oder deren CA-Vertrauen widerrufen werden kann (Symantec, DarkMatter, …).
- 📋 Compliance — Vollständige Custody-Chain. Für regulierte Branchen (Finanz, Gesundheit, Verteidigung) sind interne CAs oft sogar Pflicht.
- ♻️ Geschäftskontinuität — Bei Ausfall der externen CA (z. B. wegen Wartung, Sanktionen, Insolvenz) sind die internen Zertifikate weiter ausstellbar.
- 🔧 Skalierung ohne Marginalkosten — 10 oder 10 000 Zertifikate — der Aufwand und die Kosten ändern sich praktisch nicht.
Technologisches Fundament
Realisiert auf Basis erprobter Open-Source-CA-Implementierungen, die
das ACME-Protokoll vollständig unterstützen.
| Schicht | Realisierung |
|---|
| CA-Engine | Open-Source-CA-Software mit ACME-RFC-8555-Server |
| Schlüssel-Storage | Lokales Backend mit optionaler HSM-/TPM-Integration |
| Validierungs-Challenges | HTTP-01 (intern), DNS-01 für Wildcards |
| Revocation | CRL-Distribution-Points + OCSP-Responder |
| Monitoring | Prometheus-Metriken + Audit-Log via Syslog |
| Client-Seite | Beliebiger Standard-ACME-Client (certbot, acme.sh, lego, …) |
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