# ArchitekturDie Muster, die die Firewall am Laufen halten: HA, Zonen, transparente Sicherheit, SSL-Inspection.

## Übersicht

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                                ┌──────────────────────────────┐
            ISP A ──────────────┤                              │
                                │   Sovereign Edge Firewall    ├── Zone: Clients
            ISP B ──────────────┤   (active / passive Failover) │── Zone: VPN
                                │                              │── Zone: Anonymisierung
                                │   • Stateful-Filter           │── Zone: Privacy
                                │   • NAT (pro Uplink)          │── Zone: DMZ
                                │   • Transparentes SSL-Offload │
                                │   • Failover-Monitor          │
                                └──────────────────────────────┘
```

Die Firewall sitzt am Netzrand mit zwei parallelen Internet-Uplinks.
Intern präsentiert sie pro isolierte Zone eine logische Schnittstelle.

## Dual-Provider-Hochverfügbarkeit

Zwei Uplinks (z. B. Glasfaser + LTE/5G oder zwei Carrier) werden
parallel angebunden. Ein Failover-Monitor beobachtet Link-State,
Gateway-Erreichbarkeit und Latenz und schaltet bei Ausfall die
Default-Route binnen **unter fünf Sekunden** auf den zweiten Uplink.

Kernpunkte:

- **Symmetrisches Regelwerk.** Beide Uplinks teilen sich Filter-,
  NAT- und Scrub-Regeln. Kein „guter" und „schlechter" Pfad.
- **Dynamisches NAT.** Source-NAT bezieht die Egress-IP dynamisch
  vom aktiven Interface — kein Hardcoding, keine Stale-Mappings
  beim Failover.
- **Selektive Steuerung.** Bestimmte Verkehrsklassen können gezielt
  auf den zweiten Uplink gepinnt werden (z. B. ein Anonymisierungs-
  Proxy-Pfad oder Lastverteilung für download-lastige Dienste).
- **Automatischer Failback.** Sobald der primäre Uplink wieder
  gesund ist, kehrt der Monitor die Default-Route automatisch zurück.
- **Failover-Tests.** Eine definierte Drill-Routine (siehe
  [Betrieb](../operations/)) verifiziert quartalsweise, dass das
  Failover wirklich funktioniert — nicht nur in der Theorie.

## Zonen-Segmentierung

Statt einer flachen „innen/außen"-Topologie operiert die Firewall
auf einem mehrstufigen Zonen-Modell. Lateral-Bewegung zwischen
Zonen ist per Default geblockt.

| Zone | Zweck | Egress-Profil |
|---|---|---|
| Clients | Mitarbeiter-Workstations | Transparenter HTTP/HTTPS-Proxy mit Content-Inspection |
| VPN | Remote-Access und Site-to-Site-Tunnel | Pro-Tunnel-Egress-Profil |
| Anonymisierung | Sensible Workloads (Recherche, Whistleblower) | Sämtlicher Verkehr über Tor, inkl. DNS |
| Privacy | Maximalschutz-Workloads | Anonymisierung + zusätzliche Schicht |
| DMZ | Extern erreichbare Services | Gehärteter Reverse-Proxy vor den Services |

Jede Zone hat ihre eigene:

- **Filter-Regel-Logik** — was rein darf, was raus darf.
- **NAT-Policy** — welche Egress-IP, welcher Uplink bevorzugt.
- **Inspection-Schicht** — ob HTTPS aufgebrochen wird, was geloggt
  wird.
- **Whitelist-/Blocklist-Tabellen** — gespeist aus den
  Daemon-Outputs (siehe [Abusive HTTP Watch](../../abusive-http-watch/)
  Doku).

## Transparente Sicherheits-Lagen

Endgeräte in der Client-Zone bekommen die folgenden Schutzschichten
ohne lokale Konfiguration:

### SSL-Offloading als Virenschutz

Die operativ wertvollste Schicht. Die Begründung:

- Über 90 % moderner Web-Bedrohungen — Malware-Downloads,
  Phishing-Payloads, Drive-by-Exploits — werden über TLS
  ausgeliefert.
- Endgeräte-Virenschutz (Defender, Bitdefender, …) auf der
  Workstation sieht nur den verschlüsselten Stream. Er kann die
  infizierte Datei erst dann erkennen, **nachdem** das Gerät sie
  entpackt hat.
- An diesem Punkt hat das Gerät die ersten Stufen der Payload
  bereits ausgeführt. Containment wird zu Incident-Response.

Die Firewall terminiert TLS stattdessen am Gateway, übergibt den
Klartext einer Antivirus-Engine und leitet erst dann den Inhalt
ans Endgerät weiter. Das Endgerät sieht einen bereits gescannten
Stream. Malware wird geblockt, **bevor sie das Endgerät erreicht**.

Die CA für den Bump ist die [Sovereign Certificate
Authority](../../sovereign-certificate-authority/) — Clients
vertrauen den Gateway-Zertifikaten, weil das interne CA-Root per
Standard-Konfigurationsmanagement installiert ist.

### Content-Filter

Werbe-Netzwerke, Tracker-Domains und bekannte schädliche Hosts
werden vor der Auslieferung herausgefiltert. Reduziert Seitenwicht,
eliminiert eine Klasse von Supply-Chain-Angriffen (kompromittierte
Werbe-Netzwerk-JavaScripts) und verbessert die Privatsphäre.

### Tor / Anonymisierungs-Gateway

Die Anonymisierungszone hat **gar keinen direkten Internet-Egress**.
Sämtlicher TCP-Verkehr wird transparent durch einen lokalen
Tor-Daemon geroutet, inklusive DNS-Anfragen (über einen lokalen
Resolver, der Tors DNS-Port nutzt). Endgeräte in dieser Zone
brauchen keinen eigenen Tor-Client — das Netzwerk erzwingt das
Routing.

### I2P / Privacy-Gateway

Gleiche Idee wie die Tor-Zone, eine Schicht tiefer. Genutzt für
Workloads, bei denen auch Tor-Exit-Node-Vertrauen ein Thema ist.

## Operative Defaults

- **Default-Deny.** Jede Regel, die Verkehr erlaubt, ist explizit.
  Spoofing-Schutz, Reverse-Path-Validation und Anti-Scan-Heuristiken
  laufen per Default.
- **Connection-State-Limits.** Hunderttausende parallele Sessions
  werden unterstützt; Per-Source-Caps verhindern eine
  State-Table-Erschöpfung.
- **Verkehrs-Normalisierung.** TCP-Reassembly, MSS-Clamping und
  Fingerprinting-Schutz werden auf allen Egress-Pfaden angewandt
  — wichtig für Mobilfunk-Uplinks und VPN-Tunnel.
- **Dual-Stack.** IPv4 und IPv6 sind First-Class, inklusive
  moderner ICMPv6-Mechanik (Router Advertisement, Neighbour
  Discovery).

## Wo der Daemon hineinpasst

Der begleitende [Abusive HTTP Watch](../../abusive-http-watch/)
Daemon schreibt eine Blocklist, die die Firewall per
Tabellen-Reload-Cron konsumiert. Das fügt eine Verhaltens-basierte
Block-Schicht oberhalb der statischen Regeln hinzu — IPs, die
nachweislich Exploits suchen, werden am Edge gedroppt.

## Was das nicht ist

- Keine Vendor-Box zum Kaufen. Das ist ein Liefermuster, kein
  Produkt-SKU.
- Kein Anfänger-Projekt. Das verantwortungsvoll zu betreiben
  erfordert kompetente Operatoren (oder den
  [Betrieb](/de/services/support/)-Service, der sie stellt).
- Keine „einmal einrichten und vergessen"-Lösung. Die Token-Sets,
  Blocklists und Zonen-Regeln brauchen Pflege — siehe
  [Betrieb](../operations/).
